Athletenbericht Zugspitz-Ultra-Trail Steffen Suffel 2026-06-26

 

Ergebnisse Zugspitzlauf 20.06.2026, 68,3 km, 3001 hm

Name

AK

Zeit

Platz AK

M/W

Platz Gesamt

Steffen Suffel

M40

10:37:42

27

121

159

Ergebnisse_Veranstalter

 

G’schichten vom Zugspitz Ultra Trail…

 

… dies ist meine.

 

Der ZUT hat geliefert. 

Ultra-Schön

Ultra-Geil

Ultra-Trail

 

Man könnte es dabei belassen - könnte. 

 

Denn mein Trailrunner-Herz ist voll. Klar klingt das pathetisch und sentimental, aber so ist es nun mal.

 

Voller Vorfreude und völlig gehyped zum Zugspitz Ultra Trail angereist, unwissend was mich erwarten würde. Und es gäbe so viele Geschichten zu erzählen. 

Von Gewitter, von Startverschiebung & Streckenkürzung, von Hitze, von DNFs von Freunden, von individuellen Leistungen von Freunden und und und.

 

Meine persönliche Geschichte wäre auch Abendfüllend. 

Schließlich bin ich wohl meinen besten, schönsten, geilsten, emotionalsten Ultra gelaufen.

 

Ein Rennen, über 69 km & 3.000 hm und Dank vorgezogenem Start um 5 Uhr mit perfektem Postkarten-Panorama-Sonnenaufgang. 

Ein Rennen, bei dem meine Familie nicht nur angefeuert hat, sondern gleichzeitig auch meine Supportcrew war.

Ein Rennen, in dem ich die Tiefs und Probleme, die während einem Ultra auftreten nahezu perfekt im Griff hatte.

Ein Rennen, in dem mich die Sonne zunächst paniert hat, so dass ich die kalte Dusche beim #ZEGAPA Support einfach nur genoss.

Ein Rennen, in dem jeder meiner Freunde der IGTT (Interessengemeinschaft Trailrunning im Taunus) jeden unterstützt, gefeiert und aufgemuntert hat.

Ein Rennen, bei dem ich zu keinem Zeitpunkt dachte "was für einen Scheiß ich hier mache". 

Ein Rennen, mit dem sich nun jeder meiner zukünftigen Starts messen muss.

 

Und dann stand da auch noch eine Zielzeit von 10h37min, die zwar vorher nicht unrealistisch, aber dennoch - aufgrund der Wetterverhältnisse - nicht unbedingt zu erwarten war.

 

Das ich dabei auch noch meinen Nutrition Plan perfekt umgesetzt habe, war vielleicht die Grundlage der guten Performance.

Ich habe es geschafft 88 g Kohlenhydrate pro h zu mir zu nehmen. 15 Gels & 400g Pulver. Für die Nichtsportler, das umgerechnet wären ca. 16 Tafeln Vollmilchschokolade. Dazu noch 10 Salztabletten und 9l Wasser. Und da sind VPs noch nicht mal eingerechnet. 

 

Unterm Strich:

ZUT hat geliefert - in allen Klängen, allen Farben, allen Emotionen.

 

#trailrunninglove

 

Man könnte es nun auch dabei belassen - könnte. 

 

Denn irgendwie gehört der etwas nüchternere Blick auf die Chronologie der Ereignisse ja auch dazu.

 

Kaum bin ich zwei Tage vor dem Start mit meiner Familie in der Ferienwohnung in Mittenwald angekommen, explodierte die ZUT Whatsapp-Gruppe. Gut vernetzte Insider in der Trailrunner-Szene berichteten von Streckenänderungen.

Und so sollte es kommen insbesondere die langen Strecken mit Start am Freitag und Samstag wurden geändert.

Der ZUT100 (100 Meilen): gekürzt auf 107 km

Der Ultratail (100 km): gekürzt auf 74 km und Start verschoben von GaPa (Garmisch-Partenkirchen) nach Leutasch

Der Ehrwald Trail (87 km): gekürzt auf 74 km und Start verschoben von Ehrwald nach Leutasch

Grund hierfür war eine Gewitterzelle, die sich insbesondere von Freitag auf Samstag von Süden der Zugspitzregion näherte.

Auch alle Starter meines Leutasch Trails (69 km, 3.000 hm) zitterten, ob das Rennen überhaupt gestartet werden würden, denn die Gewittervorhersagen waren zwischenzeitlich ganztägig auf der zweiten Hälfte unserer Strecke.

Es blieb allerdings bei der Verschiebung des Starts von 09:00 Uhr auf 05:00 Uhr am Morgen. Und ich nehme es vorweg, dies erwies sich als Glücksfall, entgingen wir doch der sengenden Nachmittagssonne.

 

Start um 5 Uhr früh. Das hieß 2:30 Uhr aufstehen. Raus aus meinem Hostelbett, rennfertig machen. Um 3:45 Uhr startete der Busshuttle Richtung Leutasch, und die Zeit bis zum Start war dann schon knapp. Gemeinsam mit 603 weiteren Startern wurde ich vom Renndirektor pünktlich auf die Reise geschickt. Allerdings mit dem Hinweis, dass aufgrund des Gewitters eine spontane Streckenänderung weiterhin im Raum stand.

 

Den 1.000 hm Anstieg hoch zum Scharnitzjoch nahm ich ganz entspannt – mehr wie ein Wandertourist statt als Trailrunner. Und so geschah es unabgesprochen, dass ich mit Christina & Marcus von der IGTT das letzte Drittel des Anstiegs gemeinsam meisterte.

Und als wir nach 1h30 Laufzeit über die Kuppe traten… ein atemberaubender Blick ins Tal, hell erleuchtet durch die aufgehende Sonne. Postkarten Foto!

Und dieses Foto machte JEDER der teilnehmenden Läufer. Ich ließ mir noch etwas Zeit beim Umpacken meines Rucksackes und begab mich in den Downhill. Auf halber Strecke ins Tal lief ich wieder auf Marcus auf. Und wir verbrachten die nächsten eineinhalb Stunden gemeinsam laufend bis zur zweiten Verpflegungsstation (VP) in Mittenwald. Dort sollten sich unsere Wege trennen, Marcus machte einen Boxenstopp und ich wollte nicht all zu viel Zeit verlieren. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 24 km gelaufen und ich war tatsächlich zeitlich sehr gut unterwegs.

 

Im anschließend starteten welligen Abschnitt der Strecke sollte man aber die Kraft der Sonne merken, auch wenn es noch früh am Morgen war. Bis zur VP in Elmau ließ ich es entsprechend locker angehen, dies sollte sich später noch als goldrichtig herausstellen. An besagter VP in Elmau (km 34, 4h43) wartete dann meine Familie auf mich. Anfeuern, Dropbag-Übergabe, Flaschen nachfüllen, Selfie. Als ich die VP verließ war ich immer noch genau auf der Zielzeit meines Best-Case Szenarios.

 

 

Dann fingen die ersten Problemchen an. Es war inzwischen 10 Uhr und die Sonne knallte schon ordentlich. In diesem Streckenabschnitt waren eher weniger als mehr schattenspendende Bäume. Erstes Muskelzucken fing ebenfalls in den Adduktoren an und mit der Schnürung meines linken Schuhs kam ich heute gar nicht klar. Im Uphill zu fest, im Downhill zu lasch.

Glücklicherweise gab es am Eckbauer Lift (40km, 5h50) eine hitzebedingte zusätzliche Wasserstation der Bergwacht. Und diese war bitter nötig, denn bis zur VP an der Laubhütte waren es noch weitere 7 km. Auf dem Weg dorthin fühlte ich mich im Downhill zur Partnachklamm und im anschließenden Aufstieg zwar verhältnismäßig gut und ich konnte einige Läufer einsammeln. Aber in den weiteren 3 km bis zur Laubhütte musste ich zu oft in den Hiking-Schritt übergehen um keine Krämpfe zu riskieren.

 

Inzwischen waren wir auch auf die Läufer des Mittenwald-Trails aufgelaufen und so war die VP an der Laubhütte (km 47, 7:00h) sehr voll. Doch das Anstehen an den Wasserkanistern kam mir ganz gelegen. So konnte ich meine Beine etwas entspannen. Nach exakt 7 Minuten und wassergetränktem Bucket Hat verließ ich die VP und begab mich in den Anstieg zum Endgegner. 7,5km mit 1.000 hm über Kreuzeck hoch zum Osterfelder. Während der endlosen Serpentinen zum Kreuzeck spürte ich meine Oberschenkel inzwischen schon sehr. Ich hörte auch schon lange vor erreichen der Kuppe die Cheering Zone ZEGAPA* die durch die lokale Trailrunner-Szene „Nomads“ organisiert wurde. Dort angekommen wurden erst mal drei eiskalte nasse Schwämme auf mir ausgedrückt. Auf diese Dusche hatte ich mich bereits 30 Minuten zuvor gefreut.

Meine Freunde von der IGTT feuerten ebenfalls lautstark an und es blieb natürlich Zeit für Fotos.

 

[*ZEGAPA: ein Wortspiel aus Zegama und Garmisch-Partenkirchen. In Zegama findet jährlich ein ikonisches Trailrennen statt, das für seine endlosen Zuschauertunnel, die der Tour-de-France in nichts nachstehen, bekannt ist.]

 

Doch noch lagen 3,4 km und 400 hm bis zum höchsten Punkt der Strecke vor mir. Zeitlich war ich zwar zurückgefallen, aber immer noch 15 Minuten vor meiner als „konservativ-normal“ eingeschätzten Zielzeit. Glücklicherweise waren in diesem sehr exponierten Gelände genau zu diesem Zeitpunkt des Rennens ein paar schattenspendende Wolken am Himmel. Ansonsten wären wir oberhalb der Baumgrenze der Sonne komplett ausgeliefert gewesen. Am höchsten Punkt der Strecke (km 56km, 9h) wartete schließlich noch die VP Schnaps (eine Pop-Up Cocktailbar) auf mich, die Versuchung sich zu bedienen war allerdings nicht all zu groß.

 

Nun sollte er also beginnen der mit 1.300 negativen Höhenmeter und 10km lange Downhill nach GaPa. Ein wahrer Genuss für die Oberschenkel - Nicht. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Downhills warteten keine technischen Passagen sondern ausschließlich zermürbende Schotterpiste. Meine Oberschenkel waren bereits bretthart, doch ich konnte zumindest noch so gut laufen, dass ich ein paar von Krämpfen geplagte Läufer überholen konnte. Ein Großteil davon war aber wohl auf der parallel stattfindenden Distanz des 44km langen Mittenwald Trails unterwegs.

Doch ein paar Körner galt es noch zu sparen. Denn die letzten 2,5 km ins Ziel verliefen komplett flach. Wenn man dort nicht mehr laufen kann, verbringt man sehr viel Zeit auf den finalen Metern.

 

Als ich die ersten flachen 500 Meter hinter mir hatte, hatte ich aber meinen Schritt gefunden, zwar langsam, aber laufend. Ab da wusste ich, jetzt sind es nur noch wenige Minuten bis zu meiner im Ziel wartenden Familie. Ich wusste, dass ich meinen ersten alpinen und bisher härtesten Ultra mit einer guten Zeit finishen würde. Das zauberte mir bei jedem der anfeuernden Menschen am Streckenrand ein Lächeln ins Gesicht.

Und als ich um die vorletzte Kurve bog und von weitem den Ruf meiner Frau, „da kommt der Papa“ hörte, musste ich doch ein paar Tränchen verdrücken. Zum einen Stolz auf meine Leistung, zum anderen vor Freude, dass ich den Tag mit meiner Familie teilen konnte.

 

Die letzten Meter nach 68 km, 3.000 hm & 10h37min mit Silas auf dem Arm bis zum Zielbogen konnte ich dann, mit den Worten des Moderators: „Wir gehen an den Untermain, vom TV Großwallstadt: Steffen Suffel“, auch einfach nur genießen.

 

Unterm Strich:

ZUT hat geliefert - in allen Klängen, allen Farben, allen Emotionen.